Über Bewegung

Nutzen Sie ein Smartphone? Dann wird wahrscheinlich auch auf Ihrem Telefon eine Funktion vorhanden sein, die Ihre Bewegungen im Laufe eines Tages protokolliert. Das iPhone zeigt Ihnen z.B. über die vorinstallierte App „Health“, wie viele Schritte Sie an einem Tag gegangen sind, welche Strecke Sie dabei zurückgelegt haben und welche Treppenhöhen Sie erklommen haben. So ein Blödsinn, sagen Sie? Nun ja, vielleicht. Aber der dahinterliegende Sinn ist in Wirklichkeit erheblich. Zuerst ist es nämlich hochinteressant, dass wir, selbst wenn wir dachten, dass wir uns gar nicht viel bewegt haben, wahrscheinlich an einem Tag deutlich über dreitausend Schritte gegangen sind. So wie ich heute. Zweitens liefern uns diese Zahlen einen Vergleich von unterschiedlichen Tagen, Wochen und Monaten, der unser Bewusstsein dafür schärfen kann, auf aktive Bewegung zu achten, anstatt uns zu viel mit unserer Couch zu beschäftigen.

Warum ist Bewegung eigentlich so wichtig für uns Menschen? Unbestritten ist bislang ein Zusammenhang von Bewegung und Gesundheit. Wenn man den Begriff „Bewegung“ googelt, erscheint an dritter Stelle die Überschrift „Bewegung – Zentrum der Gesundheit“. Ich möchte mich hier aber, mangels Kompetenz auf diesem Gebiet, weniger mit den medizinischen Aspekten der Bewegung beschäftigen. Mir geht es hier vielmehr um andere Aspekte von Bewegung.

„Das Glück trifft Dich nur in der Bewegung“, sagte neulich ein Freund zu mir. Unabhängig davon, ob Sie an so etwas wie Schicksal glauben oder nicht, denke ich, dass der Satz wichtige Wahrheiten enthält. Wenn wir zuhause auf unserer Couch liegen, ist es unwahrscheinlich, dass jemand an unserer Tür klingeln wird, der uns in unserem Leben voranbringen wird. Oder dass wir neue Aufträge für unsere Firmen gewinnen. Nur in Bewegung bieten sich uns neue Chancen im Leben. Nur in Bewegung erkennen wir überhaupt neue Chancen. Wir Unternehmer sind ja eigentlich ohnehin ständig in Bewegung. Körperlich und geistig. Wir bewegen nicht nur uns, sondern auch unsere Mitarbeiter. Zumindest geistig, hoffentlich. Wenn man sich wünscht, im Lotto zu gewinnen, muss man sich schon ein Los kaufen. Zum Glück gehört also auch Aktivität. Ich behaupte sogar, dass Glück und Bewegung einander bedingen. Wahrscheinlich ist Bewegung sogar eine Voraussetzung für Glück. Wie glücklich können wir sein, wenn wir im schlimmsten Falle in permanenter Bewegungslosigkeit verharren müssten? Wie glücklich können Menschen sein, deren Bewegungsmöglichkeiten z.B. durch Gefangenschaft stark eingeschränkt sind? Welches Niveau Glückshormone erreicht im anderen Extrem ein Sportler nach einem absolvierten Iron Man Triathlon?

Mir geht es hier aber nicht nur um körperliche, sondern auch um geistige Bewegung. Körperliche Bewegung hat auch einen Einfluss auf unsere Denkstrukturen. Ich persönlich habe öfter neue Ideen beim Sport oder beim Joggen als im Büro an meinem Schreibtisch. Steve Jobs führte wichtige Besprechungen immer im Rahmen von Spaziergängen, da er davon überzeugt war, dass wir in der Bewegung auch flexibler denken können. Unsere körperliche Bewegung endet noch nicht einmal, wenn wir schlafen. Schlafforscher haben herausgefunden, dass der Mensch im Schlaf einer Nacht ca. 600 Bewegungen seiner Körperteile hat. Ohne dass diese Bewegungen bewusst gesteuert werden. Wir drehen uns im Schlaf bis zu 26 Mal in einer Nacht. Auch die Bewegung im Schlaf dient unserer Physiologie, da sonst z.B. unsere Bandscheiben in Mitleidenschaft gezogen würden. Aber auch im Schlaf bleiben wir geistig in Bewegung, z.B. wenn wir träumen.

Ohne geistige Bewegung könnten wir unsere Firmen nicht führen. Jedenfalls nicht längerfristig. Geistige Beweglichkeit ist erforderlich, um unsere Firmen an neuen Rahmenbedingungen auszurichten oder selbst neue Rahmenbedingungen setzen zu können. Geistiger Stillstand führt höchstwahrscheinlich über kurz oder lang in die Insolvenz. Geistige Beweglichkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für die Entstehung von Innovationen. Das menschliche Gehirn fasziniert auch dadurch, dass es – ähnlich wie ein Muskel – leistungsfähiger wird, je intensiver es genutzt wird. Warum trainieren wir aber bewusst aktiv – wenn überhaupt – eher unseren Körper als unseren Geist? Über neun Millionen Deutsche besuchen Fitnessstudios, um ihren Körper in Form zu bringen, aber wo trainieren wir aktiv unsere Gehirne?
Warum dopen viele Menschen ihren Körper, um höhere Leistungen zu erbringen, und benebeln ihren Geist mit Alkohol? Ist geistige Bewegung anstrengender als körperliche?
Ich habe hierauf keine Antwort.
Ist die Zeit nicht langsam reif für ein Fitnesscenter für unsere Gehirne? Wo wir geistig trainieren können, alleine oder mit Trainer. In Gesellschaft oder nur für sich. Wenn Sie der erste sein möchten, der ein Fitnesscenter für geistiges Training eröffnen möchte, geben Sie mir bitte Bescheid. Dann werde ich Ihr erster Kunde!

Herzlichst,
Ihr Björn Castan