Moderne Möglichkeiten der Mitgliederpartizipation in Sportvereinen

Dr. Björn Castan beleuchtet dieses für Vereine relevante Thema in einem Vortrag am Sonntag, den 6.11.2016 im Rahmen des 8. Internationalen Hamburger Sport-Kongresses.

43,6% der Deutschen über 14 Jahren engagieren sich ehrenamtlich. Damit liegt das ehrenamtliche Engagement in Deutschland über dem europäischen Durchschnitt.

Ein gewichtiger Teil dieses Engagements wird in lokalen Sportvereinen ausgeübt. In den Vorständen und Präsidien der Vereine, der Trainerschaft und der Nachwuchsförderung. Viele Sportvereine stellen jedoch fest, dass die Bereitschaft der Mitglieder, längerfristig ehrenamtlich Zeit für den Sportverein zu investieren, rückläufig ist und es daher immer schwerer sei, engagierte Mitglieder zu finden, die die für die Vereine notwendigen Ämter übernehmen möchten. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die meisten Ämter gleich ein mehrjähriges bzw. langfristiges Engagement erfordern. Für kurzfristiges Engagement sei es leichter, Kandidaten zu finden.

Gleichzeitig ist in jedem Verein bekannt, dass sich Mitglieder mit ihrer Meinung in das Vereinsleben einbringen und auch bestrebt sind, ihre Einzelinteressen durchzusetzen. D.h. auf der einen Seite ist Mitgliederengagement von Seiten der Vereine ausdrücklich erwünscht und auf der anderen Seite stehen bisweilen unkoordinierte Einzelinteressen dem Gesamtinteresse von Vereinen entgegen.

Eine Studie des Betterplace Lab über freiwilliges Engagement in Deutschland stellt einen Strukturwandel in der Ausübung von Ehrenämtern in der Nachkriegszeit fest: „Die Menschen wol­len etwas für das Gemeinwohl leisten, sich für eine Sache einsetzen und Verantwor­tung übernehmen. Dabei investieren sie viel Zeit und nicht selten auch Geld, erwar­ten aber auch einen persönlichen, so genannten Return on Engagement. Sie wollen mit anderen Menschen zusammen kommen, sich einbringen und anerkannt werden, Spaß haben, ihren Horizont erweitern, das Gefühl bekommen, etwas Wichtiges zu tun und die eigenen Fähigkeiten testen oder ausbauen.“

Sportvereine müssen in diesem Spannungsfeld eine Lösung dafür finden, wie sie ihre Mitglieder nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch in das Vereinsleben einbinden können. Hierzu bietet das Instrumentarium der Marktforschung moderne Ansätze der Mitgliederpartizipation.

Dies beginnt schon kurz nach der Aufnahme von neuen Mitgliedern. Wir haben gute Erfahrungen damit machen können, wenn neue Mitglieder vier bis acht Wochen nach Beginn ihrer Mitgliedschaft per Email eine Einladung zur Teilnahme an einer Onlinebefragung erhalten. Der Fragebogen beschäftigt sich mit der Zufriedenheit des neuen Mitglieds mit dem Aufnahmeprozess und den ersten Erfahrungen im neuen Verein sowie mit Wünschen, Erwartungen und Verbesserungsvorschlägen der neuen Mitglieder.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, entweder jedes Jahr oder alle zwei Jahre eine Onlinebefragung aller Mitglieder durchzuführen. Ebenfalls mit dem Ziel, Mitgliederzufriedenheit zu messen und im Zeitverlauf analysieren zu können. Gründe für Zufriedenheit und noch viel wichtiger für eventuelle Unzufriedenheit können auf diese Weise rechtzeitig erkannt und Maßnahmen eingeleitet werden, um Kündigungen zu verhindern.

Onlinebefragungen haben den Vorteil, dass sie kostengünstig durchgeführt werden können. Voraussetzung hierfür ist, dass die Email-Adressen möglichst aller Mitglieder bekannt sind, damit alle die Gelegenheit bekommen, an den Befragungen teilzunehmen.

Jeder Verein kommt irgendwann an einen Punkt, wo elementare Veränderungen angestoßen werden müssen. Ein neues Clubhaus, eine Erweiterung oder Modernisierung wichtiger Bestandteile der Anlagen, eine neue Gastronomie. Wenn gewichtige Veränderungen anstehen, werden hierdurch Unsicherheiten bei den Mitgliedern ausgelöst, die zu Widerständen und damit auch zu Streit führen können. Daher erscheint es sinnvoll, die Mitglieder in den Planungsprozess einzubinden und die notwendigen Veränderungen so zu planen, dass sie die Interessen einer Mehrheit der Mitglieder berücksichtigen. Da persönliche Gespräche mit allen Mitgliedern aus Zeitgründen nicht möglich sind, bieten sich auch hier Onlinefragebögen an, die alle Mitglieder ausfüllen können. Hierdurch können die Schwarmintelligenz genutzt werden und von möglichst vielen Mitgliedern Vorschläge und Anregungen eingeholt werden, die in den Planungsprozess einfließen können.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, thematische Onlineforen anzulegen, in denen die Mitglieder ihre Meinungen austauschen können. Diese Foren sollten von Vereinsseite moderiert werden, Feedback aufgenommen und die Diskussion der Mitglieder mit immer neuen Fragestellungen in Gang gehalten werden.

Der Vorteil dieser Onlineforen besteht darin, dass sich die Mitglieder hier zeitlich begrenzt zu einem ganz konkreten Thema äußern können und sie auf diese Weise in Planungsprozesse einbezogen werden können. Mit einem überschaubaren Zeitaufwand für den Moderator und für das einzelne Mitglied. Auf diese Weise können die Meinungen vieler berücksichtigt werden, ohne dass ein langfristiges, institutionalisiertes Engagement der Mitglieder erforderlich ist.

Für spontane Äußerungen, positiver oder auch kritischer Natur, über Erlebnisse des Vereinsalltages kann ebenfalls die Einrichtung eines gesonderten und für alle Mitglieder offenen Forums im Rahmen der Vereinswebsite eingerichtet werden. Dort können positive oder auch negative Erlebnisse ihren Raum finden. Im Grunde der gute alte Kummerkasten, nur heute digital und mit schnellen Antwortmöglichkeiten.

Die neuen Möglichkeiten, Mitglieder von Sportvereinen in die Vereinsarbeit einzubinden, sind wie gezeigt vielfältig und mit überschaubarem Aufwand umzusetzen. Wichtig ist dabei natürlich, auch hierfür einen Verantwortlichen zu finden, der sich um die Gestaltung, Moderation und Auswertung des Mitgliederfeedbacks kümmert.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie moderne Mitgliederpartizipation in Vereinen durch innovative Methoden der Marktforschung umgesetzt werden kann, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.